Logo

Konzert: D'LauterBläser aus Wendlingen heizen im Patat-Keller Michelstadt ein

Böhmische Blasmusik, pfiffig dargeboten: Die elfköpfige Formation D'LauterBläser aus dem schwäbischen Wendlingen gastierte am Freitag im Michelstädter Patat-Keller. Anlass war ein Wiedersehen des Erbacher Jahrganges 1949.

Diese Vorgeschichte brachte am Freitagabend die elfköpfige Formation D'LauterBläser auf die Bühne des Patat-Kellers und ein Damenteam jenes Jahrgangs als Bedienung hinter die Bar. Lauter Bläser waren es aber nicht - ein Schlagzeuger unterfütterte rhythmisch das Repertoire der Kapelle aus Wendlingen. Das liegt zwar am Neckar, geprobt wird aber in einem Haus, das an der Lauter als einem der Neckar-Zuflüsse steht.

Ob der Name daher rührt? Oder ob es der volle Klang von zehn Blasinstrumenten ist, der auch das Michelstädter Sandsteingewölbe vibrieren ließ? D'LauterBläser haben sich vor allem der böhmischen Blasmusik verschrieben. "Die geht positiv ins Gemüt und hellt die Seele auf", weiß Flügelhornist Herbert Block als musikalischer Leiter.

Dargeboten von dieser Schwaben-Formation, kommt diese Musik aber nicht als Wald-und-Wiesen- oder Dicke-Backen-Musik daher, sondern fein ziseliert, mit flirrenden Klarinetten- und flotten Tuba-Arrangements. Der Vorteil der Wendlinger Kapelle ist, dass nicht nur die Klarinetten, sondern auch die Sektionen Flügelhorn, Posaune und Tuba doppelt besetzt sind. Das dynamische Klangbild wird von einem Bariton und einem Tenorhorn komplettiert.

D'LauterBläser haben außer volkstümlicher Blasmusik auch Boogie-Woogie-Titel oder Schlager im Repertoire. Diese überraschende Vielfalt war es, die viel Bewegung ins Patat-Publikum brachte und ihm einen kurzweiligen Abend bescherte. Das Küchenteam bot zur Feier des Tages gleich drei verschiedene Pausensnacks.

Mit dem Loba hends die Schwoba net so

Auszug: Wendlinger / Nürtinger Zeitung / Teckbote 06.05.2011

Vergnüglicher Mundart-Abend zum Abschied von Karl Glasstetter mit Winfried Wagner, Bernd Merkle, Berndt Betghe und Andreas Volz und D'LauterBläser über 2000 Auftritte und mehrere Jahrzehnte Bühnenerfahrung gehen auf sein Konto als schwäbischer Humorist, Sänger und Rezitator.

Karl Glasstetters letzter Bühnenauftritt lockte über 400 Zuschauer in den großen Saal des Treffpunkts Stadtmitte in Wendlingen. Mundart-Dichter, Humoristen und Schauspieler wie Winfried Wagner und Bernd Merkle gaben sich die Ehre. VON GABY KIEDAISCH WENDLINGEN.

Dass der Schwabe gerne unterschätzt wird, vor allem jenseits der Mainlinie, liegt vor allem auch an seinem Dialekt. Stets verniedlichend, ohne Imperfekt, Plusquamperfekt und Genitiv lässt bisweilen Hochdeutsch sprechende Menschen allzu rasch zu dem Schluss kommen, hier habe man es mit mangelnder Intelligenz zu tun, was den Eindruck durch einen scheinbar eingeschränkten Wortschatz und eventuelle Wortkargheit noch verstärkt. Ganz zu schweigen von Begegnungen mit Einheimischen auf der Alb, wo selbst die Antwort auf die harmlose Frage nach dem Weg, als undeutliches Gebälle gedeutet werden kann. Trotzdem: Keiner lacht so sehr über sich selbst, wie der Schwabe. Und das zeigte der heitere musikalisch-literarische Abend zu Ehren von Karl Glasstetter am Mittwoch einmal mehr.

In diesem dreistündigen kurzweiligen Programm waren Begegnungen mit alten Bekannten wie Walter Schultheiß, Oscar Heiler, Werner Veidt oder Sebastian Blau angesagt. Auch als einziger Nichtschwabe hatte Berndt Bethge, geadelter Reimgraf bei den Schlaraffen, und "Feigenblatt für das Schriftdeutsch", mit abgewandelten Geschichten vom Zerbrochenen Krug und dem Nonnenkloster die Lacher auf seiner Seite.

Während bei der einen Anekdote angesichts PISA der "Bildungsnotstand" ausgerufen wird, zollt bei der anderen ein LKW-Fahrer einer Nonne Respekt, während sie mit dem Botschamber (Nachttopf) Benzin in den Tank ihres liegen gebliebenen Autos einzufüllen versucht. Der Lastwagen-Fahrer: "Ihren Glauben möchte ich haben." Humoristisch-knitz war die von Andreas Volz, Redakteur beim Teckboten in Kirchheim, gehaltene Laudatio auf den Ehrengast: "Mit'm Loba hens die Schwoba halt et so/Do komm' i dapfer glei zom End/Weil Schwäbisch loba, wie mr's kennt/Des hoißt et bruddla, weiter nix/Do braucht's koi G'schwätz, koi no so schick's."

Gelobt wurde Glasstetter aber dann trotzdem, der "Perl om Perle" seit 1949 auf die Bühne gebracht hat. Bereits mit 16 Jahren spielte er Trompete in der Haigerlocher Stadtkapelle, später machte er Tanzmusik bei den "Kakadus", spielte Schlagzeug und Trompete, bis der Owener wegen seines Berufs die Instrumente einige Jahre beiseite legen musste. Als er dann vor 14 Jahren in den Ruhestand ging, da fehlte ihm was, und da hat er sich wieder auf die Musik und seinen Lieblingsdichter Sebastian Blau besonnen. Mundart-Dichter und Sebastian-Blau-Preisträger Bernd Merkle trieb manch einem im Publikum gar die Lachtränen ins Gesicht. Sein "Seniorennachmittag" gehört mit zum Besten des schwäbischen Humors, Situationskomik pur, perfekt umgesetzt ohne übermäßig zu überzeichnen. Schwäbische Charaktere wie man sie überall antrifft, liebevoll auf hintersinnige Weise in Szene gesetzt.

Winfried Wagner, bekannt unter anderem als Bäckermeister aus der Serie "Laible & Frisch" und durch die Moderation des "Dampfradios", nahm die Fitness-Bewegung humorvoll aufs Korn, hatte so seine Freude mit dem Hund "Fasten seat" und kokettierte als gutmütiger Briefe schreibender Eugen Emberle mit den Pfunden seiner schwergewichtigen Ehefrau Elfriede, die in den meisten Fällen die Hosen anhat. Auch hier war Situationskomik Trumpf und direkt greifbar. Nicht weniger humorvoll als die Humoristen führte Dekan Paul Magino durch den Abend, der vom Musikverein Wendlingen und den Schlaraffen veranstaltet wurde.

"Ohne das Schlagzeug könnte man den Namen der LauterBläser als lauter Bläser verstehen", versuchte Magino den schwäbischen Wortlaut ihres Bandnamens für Zuagreisende zu übersetzen, blieb aber dann doch bei dem "großen Fluss", der durch Wendlingen fließt. D'LauterBläser garantierten für den passenden musikalischen Rahmen. Und der Erlös des heiteren Abends kommt übrigens der Familienpflege Nürtingen Benefiz zugute. Obwohl die Schwaben mit Lob sparsam umgehen, gab es stehende Ovationen für Karl Glasstetter, als er zum Schluss das Trompetensolo "Feierabend" zum Besten gab, begleitet von einem die Melodie mitsummenden sichtlich bewegten Publikum. Musiker Herbert Block von D'LauterBläser dankte den Mitwirkenden des Abends "Oh, lendse's no!": Karl Glasstetter, Winfried Wagner, Bernd Merkle, Andreas Volz, Berndt Bethge.